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für annika

das leben hat immer wieder überraschungen für mich übrig. eine heißt annika.

und der knaller, wir sind blutsverwandt.

annika, ich hab mich so gefreut, dass sich unsere wege gekreuzt haben. dir gegenüber zu stehen, die du gerade das erste drittel meiner bisherigen lebenszeit abgeschlossen hast, ist umwerfend. da sprühen freude, neugier, wissensdurst, lebenshunger und jugendliche naivität aus den augen, umrahmt von noch nicht oft getuschten wimpern.

das wir blutsverwandt sind liegt an einer frau – deiner ururoma, meiner uroma. ich habe, dank meiner mama und meiner oma ein wenig über unsere gemeinsame vorfahrin heraus gefunden.

sie wurde als johanna poller am 24.08.1890 in globenstein geboren. johanna hatte vier geschwister. rosa, gertrud, klara und bernhard. bernhard ist im 2.weltkrieg leider gefallen.

johanna hat geheiratet und ist nach rittersgrün zu ihrem mann gezogen. roland walter, geboren in katharinenberg, war witwer mit drei kindern. martl, roland und anna. anna und roland kamen alsbald zu verwandten nach goldenhöhe. über sie weiß ich leider nichts weiter.

martl blieb bei johanna und roland. sie wohnten in einem kleinen sägewerk in rittersgrün. roland walter arbeitete in einem großen sägewerk in der nähe als holzfacharbeiter. johanna erlitt zwei fehlgeburten bevor sie mit erst 29 jahren ihre erste tochter, meine oma, ingeborg walter zur welt brachte. 1921 folgte liesbeth walter, deine uroma.  beide töchter wurden in dem kleinen haus im sägewerk geboren.

johanna war hausfrau und kümmerte sich um die erziehung von martl und um die ihrer eigenen töchter. später arbeitete sie aber als weißnäherin.

nach einiger zeit holte johanna ihre gebrechlichen eltern zu sich nach rittersgrün.

johannas schwester rosa war die patentante von ingeborg geworden. über sie wußte meine oma allerdings nicht viel gutes zu berichten. rosa hatte wohl mitbekommen, dass die eltern von johanna und rosa etwas geld gespart hatten. sie galt als geldgierig und war mit johanna seit längerem verstritten. eines tages holte sie einfach die eltern  in rittersgrün ab und brachte sie auf dem pferdewagen nach raschau, wo rosa mit einem schuster verheiratet, lebte. es schien tatsächlich nur um das ersparte der beiden zu gehen, denn als ingeborg heimlich mit dem fahrrad nach raschau fuhr um sie zu besuchen, weil sie ihre großeltern so vermisste, fand sie die beiden nur im bett liegend vor, keiner kümmerte sich wirklich um die alten leute.

wenig später verstarben johannas eltern in raschau.

rosa informierte ihre schwester johanna nicht über den tod der eltern, sie erfuhr es von fremden. so konnte johannas familie nicht einmal bei der beerdigung von ihnen abschied nehmen. ingeborg radelte abermals heimlich nach raschau um sich wenigstens auf dem friedhof von ihren geliebten großeltern verabschieden zu können.

johanna lebte nun mit ihren mann, zwei eigenen und martl ihrer stieftochter in rittersgrün. martl war schon als kind immer wieder krank, sie litt an tbc. als sie 1935 unehelich schwanger wurde übernahm johanna auch die erziehung des kleinen bertram. später heiratete sie gerhard bäßler aus pöhla. martl verstarb in den 50-zigern bei einem unglück in der überfüllten wismutbahn tödlich. ihr sohn bertram war erst 18 jahre alt, als er 1953 einer hirnhautentzündung erlag.

1936, mit 17 jahren verließ johannas tochter ingeborg die familie in rittersgrün um einem mann, martin miethe, nach seifhennersdorf zu folgen. martin miethe, am 10.mai 1902 geboren, war wesentlich älter als ingeborg.

im jahr 1938 kamen auch johanna, ihr mann roland, liesbeth und der enkel bertram nach seifhennersdorf und zunächst wohnten alle zusammen bei ingeborg und martin. nach einiger zeit zog johanna mit ihrer familie ein paar häuser weiter in das heutige gasthaus „zur linde“ ins obergeschoss. roland bekam arbeit im sägewerk und bald konnte johanna mit ihrern lieben ein eigenes haus mieten, in der gründelstraße in seifhennersdorf.

im laufe der jahre schenkte ihr ingeborg vier enkel. am 06.januar 1937 margitta, am 29.12.1939 die zwillinge hilmar und gottfried und am 13.06.1949 die kleine viktoria, meine mutter. vor der geburt der zwillinge heiratete ingeborg am 20.05.1939 martin miethe. mit den männerm hatte ingeborg nicht so viel glück. 25-jährig wurde sie witwe und musste sich mit drei kleinen kindern allein durchschlagen. erst in ihrer dritten ehe mit paul schabram wurde sie glücklich.

aber das sollte johanna nicht mehr erleben.

liesbeth hatte da mehr glück, sie lernte hans schnabel kennen und lieben und heirateten 1944. auch sie schenkten johanna enkel. christina am 01.07.1946,deine oma und am 15.12.1952 karlheinz.

an einem sonntag abend 1952 ging es johanna nicht so besonder gut und man rief einen arzt. der ließ sie ins krankenhaus einliefern.

johanna kehrte nicht mehr zu ihrer familie zurück sondern verstarb überraschend in der nacht darauf.

annika, wie du siehst hat unsere vorfahrin ein aufregendes leben geführt. hat geliebt, gekämpft und sich nicht unterkriegen lassen. leider ist sie nur 62 jahre alt geworden. aber sie hat eine linie starker frauen begründet, mit denen es aufregend anstrengend ist zu leben.

… und du gehörst jetzt dazu !

zum schluss noch eines. ich habe vor einigen jahren meiner oma ein foto von johanna abgeluxt. keine ahnung, wie viele von ihr noch existieren. aber ich hüte meines wie einen schatz.

johanna walter vor 1938

johanna walter vor 1938

und als orientierungshilfe für all die namen der versuch einer –ahnenmappe –

und nun zu den anderen, die hier fleißig mitgelesen haben.

es war spannend, aufregend und überraschend informationen über johanna zu sammeln. und immer wieder fallen verwandten geschichten ein, die johanna und ihr leben noch näher erleben lassen. wenn ihr noch etwas zu ergänzen und/oder zu berichtigen habt – schreibt mir bitte. ich freu mich darauf

bis dahin liebe grüße eure kathleen

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